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Hermann Kesten :Stationen
Basel > Ort > Schweiz
Basel 1977-1996

Raubgold

Die Schweiz ist ein Piratenstaat
Werner Rügemer


Heute hat die NS-Geschichte auch die angeblich neutrale Schweiz eingeholt: Die Debatte über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg, ihre Geschäfte mit dem Dritten Reich, ihre Flüchtlingspolitik, ihre Banken und deren Umgang mit den Einlagen und dem Vermögen von Holocaust-Opfern, ist auch in Basel, dem Sitz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, nach 1995 noch nicht wieder verstummt.

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Nazi-Deutschland ein erheblicher Mangel an Devisen. Die Reichsmark war bewusst als reine Papierwährung angelegt. Der Bedarf an Devisen konnte durch den Außenhandel nicht gedeckt werden. Folge war ein rasches Absinken des Gold- und Devisenbestands. So betrug 1938 die Deckung der Währung durch Goldreserven nur noch rund 1 Prozent.

Schweizer Banken leisten Hehlerdienste
Goldwäscher für die Nazis
Die Deutsche Reichsbank verkaufte der Schweizerischen Nationalbank illegal erworbenes Gold, vor allem zur Erfüllung deutscher Verpflichtungen in der Schweiz, und erhielt dafür Schweizer Franken. Diese wurden in den neutralen Drittländern eher akzeptiert, als Gold aus Deutschland.weiter
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Um den Handel mit anderen Ländern aufrecht erhalten zu können, brauchte das NS-Regime Gold und Devisen. Bis 1938 waren es vor allem die unter Zwang konfiszierten Wertgegenstände und Edelmetalle der Juden und anderer Staatsfeinde, die die Masse des so genannten Raubgoldes ausmachten. Ab 1939 beschlagnahmte Nazi-Deutschland, in krassem Verstoß gegen das Völkerrecht, die Goldreserven unterworfener Staaten und hielt sich zusätzlich auch weiterhin an das Eigentum zahlreicher Privatpersonen, nicht zuletzt wiederum jüdischer Opfer. Eingeschmolzenes, nötigenfalls gereinigtes, danach geprägtes und mit einem Vorkriegsdatum neu gestempeltes Gold diente dazu, die Rechnungen für Importe, insbesondere von Waffen und waffentauglichen Rohstoffen aus den neutralen Staaten Europas und Südamerikas zu begleichen. Bei diesen Geschäften kam der Schweiz eine zentrale Bedeutung zu.

Nach vielem Hin und her wurde schließlich 1998 ein Vergleich zwischen jüdischen Gruppierungen, Holocaust-Überlebenden und den Schweizer Banken erreicht, der Zahlungen in Höhe von 1,2 Milliarden vorsieht.