subkat:schule
kat:LEBEN
station:nbg
Hermann Kesten :Stationen
Nürnberg > Leben > Dressuranstalt Schule
Nürnberg 1904-1928

Dressuranstalt Schule

Was ich lernte, lernte ich gegen euch.
Hermann Kesten

Unter diesem Motto steht Kestens Schulzeit. Mit 10 Jahren wird er vom Vater im Königlich Alten-Gymnasium eingeschult. Das älteste Gymnasium Deutschlands war 1526 vom Reformator Philipp Melanchthon gegründet worden.

Kesten wehrt sich von Anfang an gegen die sehr autoritären Formen des Gymnasiums. Es gibt strenge Vorschriften: Den Schülern ist der abendliche Ausgang verboten, der Besuch von Theatern war von der Genehmigung des Rektors abhängig, genauso der Kaffeehausbesuch. Konformismus und Duckmäusertum sind die obersten Tugenden. Kesten schreibt rückblickend:
"Den sozialen Takt hat man auf unserem Gymnasium nicht gelehrt [...]. Daß der Mut eine Bürgertugend sei, hat man auf unserem Gymnasium nicht gelehrt. Und von der Freiheit war nicht die Rede. Und das Selbstgefühl war auf unserm Gymnasium verpönt. Als ein Professor einem Gymnasiasten in der Klasse sagte: 'Sie sind nicht ungezogen, sondern unerzogen', stand ich auf und verteidigte die Ehre unserer Eltern."(Hermann Kesten: Meine 100 Professoren. Magnum 54, 1964)

Seine herausragende literarische Bildung eignet sich Kesten selbst an. Schon zur Schulzeit beginnt er mit dem Schreiben:
"Ich wollte nie ein Autor werden, da ich nie etwas erst werden wollte. Ich wollte ich selber bleiben, so lange und so vollkommen wie möglich. Ich war ein Autor. Ich verfaßte Gedichte, Sätze, Dramenszenen, Dialoge und Geschichten, ohne sie aufzuschreiben. Als ich sie, mit zwölf oder dreizehn Jahren, endlich aufzuschreiben begann, war ich zum ersten Male mit mir unzufrieden. Ich hatte Selbstkritik genug, um zu merken, daß ich es weder dem lieben Gott in seinem Buch der Bücher, der Bibel, gleichtun konnte, noch dem Shakespeare oder Goethe, Aristophanes oder Heine oder dem Wedekind [...]"(Wolfgang Buhl (Hg.): Hermann Kesten. Mit Menschen leben, S. 35)

Der rebellische und selbstbewusste Geist kommt bei den Lehrern nicht gut an. Eine Bemerkung zu Kestens Reifeprüfung lässt dies spüren: "Die Arbeit ist ganz aus dem Wesen des Verfassers, eines Heine redivivus, geschaffen, das gleiche Widersprüche zeigt; unangenehm und widerlich berührt namentlich der unjugendlich, anmaßend-höhnische Geist, der vielfach laut wird [...]"(Melanchthon-Gymnasium, Jahresbericht 1979/1980, S. 22)