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New York > Werk > Die Zwillinge von Nürnberg
New York 1940-1953

Die Zwillinge von Nürnberg

...das beste Buch, das ich je geschrieben habe.
Hermann Kesten

Im Juli 1945, beendete Kesten in New York seinen Zeitroman über die Weimarer Republik und das Dritte Reich in Deutschland und Frankreich.
"Mein Roman Die Zwillinge von Nürnberg ist ein Zeitbild eines aus den Fugen gegangenen Jahrhunderts mit lauter aus den Fugen gegangenen Typen, es zeigt den Wettlauf der Vernünftigen mit den Narren, die Verzweiflung der Guten über den Sieg der Satanischen, das Karussell von symbolischen Privataffären, die welthistorisch erscheinen, und von Wirtshausrevolutionen, die Epochen machen."(Hermann Kesten: Filialen des Parnaß, S. 297)

Ferdinand Lust, Jahrgang 1890, ist in Paris aufgewachsen und hat dort Malerei studiert. Im 1. Weltkrieg kämpft er freiwillig und voller Patriotismus für Deutschland, verliert im Grauen des Grabenkrieges aber schnell all seine Ideale. Nach Kriegsende landet er in Nürnberg, wo er drei Frauen kennenlernt, die junge Kriegerwitwe Marie und das Zwillingspaar Uli und Primula und in amouröse Abenteuer verwickelt wird. Lust geht mit Marie nach Berlin, erlebt und erleidet das gewaltige Chaos der Nachkriegszeit, macht schließlich bei den Nazis Karriere und wird wegen Verrats von den eigenen Leuten liquidiert. Parallel erzählt wird die Geschichte der Zwillingsbrüder Cäsar und Alexander, Kinder aus der Liason von Lust mit Primula, die nach einigen Wirren nach Paris flüchten und auf der Seite Frankreichs gegen Deutschland kämpfen. Der Roman endet 1945 in Nürnberg.

Die Verdoppelung der Hauptfiguren - des Zwillingspaars Primula und Uli sowie Primulas Zwillingssöhnen Cäsar und Alexander - ermöglicht es dem Autor, das Geschehen im Dritten Reich und im französischen Exil parallel zu gestalten. An den doppelten Zwillingen, die geschwind und häufig Moral, Charakter und Positionen wechseln, wird vorgeführt, dass jeder zu guten wie zu bösen Taten fähig ist. Kesten hat seine Bilanz der Zeit nach dem 1. Weltkrieg als Zeit- und Familienroman angelegt, gespickt mit Witz und Wollust. Der Epochenwechsel 1918-1920 und der deutsche Faschismus liefern reihenweise groteske, sadistische und amoralische Situationen, die sich einer rationalen Erklärung entziehen.