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Hermann Kesten :Stationen
Paris
Paris 1933-1940

Fluchtpunkt Frankreich

...im schönen Paris, wo die Emigranten betreten und gespenstisch wandeln, mitten in der neuesten antisemitischen Bewegung Frankreichs...
Hermann Kesten

In Deutschand verfolgen und morden die Nazis gleich nach ihrer Machtergreifung gezielt unliebsame Regimegegner und Juden. Bedrohte Politiker, Juden und Intellektuelle fliehen deshalb schon 1933 in das deutschsprachige Ausland oder nach Frankreich. Kesten flieht mit seiner Frau nach Paris und schreibt an Ernst Toller: "Ich bin verliebt in die Stadt Paris. Ich kam mit Toni an, und da sie die Stadt noch nicht kannte, lief ich mit ihr den ganzen Tag durch die Stadt. Was für ein Traum ist das Exil." Die Exilanten ahnen noch nicht, dass Hitler ihr Land und Leben zerstören würde.
Kesten arbeitet schon ab 1933 - vornehmlich in Paris und Amsterdam - als Lektor für den holländischen Exilverlag Allert de Lange. Er trifft aber auch in Südfrankreich (Nizza, Sanary sur Mer), Belgien und England mit Autoren zusammen. Seine Arbeit hilft den exilierten deutschsprachigen Autoren. Ihre Schriften werden verbreitet, der Verlag bietet den verfolgten Autoren wenigstens ein bescheidenes Einkommen. Vielen Autoren versucht er einen Halt zu geben.

Gleichzeitig schreibt der Autor Kesten die Romane Der Gerechte, Ferdinand und Isabella, König Philipp der Zweite, Die Kinder von Gernika, Novellen und Essays.

Im Exil entwickelt Kesten intensive literarische Freundschaften. Mit Heinrich Mann und Joseph Roth wohnt er 1934 gemeinsam in einem Haus in Nizza; mit Klaus Mann trifft er sich oft in Amsterdam.

Ab 1938 verschlechtert sich die Lage Kestens. Die Einkünfte schwinden, der Antisemitismus in Frankreich wächst. 1939, mit Kriegsbeginn, internieren die Franzosen alle Deutschen, gleich ob Nazis, Antifaschisten oder Hitler-Gegner. Auch Kesten wird für mehrere Wochen in Paris und Südfrankreich eingesperrt. Er ist bitter enttäuscht über die französische Regierung. Und als die Deutschen beginnen Frankreich zu besetzen, muss Kesten im Mai 1940 in Paris um sein Leben rennen. Weil nur er ein Besuchervisum für Amerika erhalten kann, muss er seine Frau alleine in Paris zurücklassen.