subkat:franzos
kat:LEBEN
station:podwol
Hermann Kesten :Stationen
Podwoloczyska > Leben > Emil Franzos
Podwoloczyska 1900-1904

Großonkel Franzos

"Immerhin hat schon ein Bruder meiner Großmutter einiges Verdienst um die deutsche Literatur erworben, er hieß Karl Emil Franzos und hat den Deutschen eines ihrer Meisterwerke gerettet und herausgegeben, den Woyzeck des Georg Büchner. Zu seiner Zeit, im 19. Jahrhundert, gab mein Großonkel Franzos in Wien und Berlin literarische Zeitschriften heraus, in denen er junge österreichische und deutsche Autoren förderte, und er schrieb Romane, die damals berühmt waren, wie den Pojaz. Zuletzt sah ich eine Novelle von ihm [...]. Sie heißt Sommer und bestünde neben den besten Novellen von Arthur Schnitzler [...]."(Hermann Kesten: Filialen des Parnaß, S. 87)
Die revolutionären Bewegungen, die um 1848 von Westeuropa ausgingen, machten auch vor Galizien nicht halt und schufen für kurze Zeit eine Welle nationalistischer Hysterie. In diese Atmosphäre der Unsicherheit und Angst wurde Karl Emil Franzos, der spätere Dichter Galiziens, am 25. Oktober 1848 in einem abgelegenen Forsthaus in der Nähe der Kleinstadt Czorków geboren.

Schon als Student schrieb er Buchrezensionen, politische Satiren, Gedichte und kürzere Erzählungen. Mit der Promotion zum Dr. jur. schloss er sein Studium ab und ging für kurze Zeit als Rechtsreferendar in die Praxis. Doch sehr bald brach er diesen Berufsweg ab und wandte sich endgültig dem Journalismus und der Literatur zu. Auf eine Anstellung beim Staat hätte er ohnehin nicht hoffen können, da er während seiner Studienzeit mehrfach in Konflikt mit der Polizei geraten war. Als Mitglied in den deutschnationalen Burschenschaften Teutonia und Orion hatte er sich mehrfach, vor allem 1871 während des deutsch-französischen Krieges, öffentlich für die deutsche Einigung unter Führung Preußens, für die Errichtung eines deutschen Kaiserreiches und für die Einbeziehung Österreichs in ein Deutsches Reich ausgesprochen.

1872 ging er zunächst als Sonderkorrespondent der Neuen Freien Presse nach Straßburg und wenig später als Feuilletonredakteur zum Ungarischen Lloyd nach Budapest. Hier entwickelte er die literarische Gattung der Ghetto-Novelle. Nach Wien zurückgekehrt unternahm er als Redakteur der Neuen Freien Presse von 1874 bis 1876 zahlreiche Reisen in den östlichen Teil der Monarchie und darüber hinaus. Seine Eindrücke verarbeitete er zu Romanen, Erzählungen, kulturhistorischen und ethnographischen Reisebildern. Als seine bekanntesten Werke gelten: Aus Halb-Asien: Kulturbilder aus Galizien, der Bukovina, Südrußland und Rumänien und Der Pojaz.

Einen besonderen Namen hat sich Emil Franzos als Herausgeber gemacht. 1879 edierte er die erste kritische Gesamtausgabe Georg Büchners mit dessen sämtlichen Werken und dem handschriftlichen Nachlass, eine Ausgabe, die bis weit ins 20. Jahrhundert hinein als die kompetenteste und verlässlichste Büchner-Ausgabe galt.


Literatur von und zu Emil Franzos
Karl Emil Franzos 1848-1904. Der Dichter Galiziens. Zum 150. Geburtstag. Herausgeben von Herwig Würtz. Wien 1998. (Katalog der 235. Wechselausstellung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek)weiter
weiter lesen im PopUp



Karl Emil FranzosKarl Emil Franzos (1848-1904)Czortkow in PodolienDorfstraße in Czortkow CzernowitzCzernowitz in der BukowinaDeutsche DichtungLiteraturzeitschrift Dt. DichtungGeorg BüchnerGeorg Büchner (1813-1837)PojazTitelblatt des Romans "Der Pojaz"