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Hermann Kesten :Stationen
Rom > Leben > P.E.N.-Präsident
Rom 1953-1977

Der Vermittler

Als man Kesten zum Präsidenten des westdeutschen P.E.N. wählte, war er bereits 72. Er wurde Nachfolger von Heinrich Böll.


Thilo Koch, ehemaliger P.E.N.-Generalsekretär
Die Nachbeben der 68er Studentenrevolte erschütterten auch unseren Club. Heinrich Bölls Präsidentschaft 1970-72 war gekennzeichnet durch Bölls Absicht, den westdeutschen P.E.N. zu verjüngen und zu aktivieren. weiter
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Unter dessen Leitung hatte sich der Club stark politisiert. Man diskutierte kontrovers über RAF und Radikalenerlaß, setzte sich direkter denn je für verfolgte Autoren ein. rnKesten war von Anfang an ein Präsident, der offen und tolerant auf die sich neu etablierende linke Fraktion zuging und so mancher Abspaltungsbestrebung den Wind aus den Segeln nahm.
Allerdings war er, wie es in einer Untersuchung zur Geschichte des deutschen P.E.N.- Zentrums heißt, als Präsident zu wenig präsent.

"In den nächsten Jahren war der Generalsekretär Thilo Koch meist präsenter als sein neuer Präsident Hermann Kesten. Der war über 70 Jahre alt, lebte in Rom etwas abseits vom Tagesgeschäft und pflegte den P.E.N.-Stil der 20er Jahre weiter, auf diese Weise zwar immer wieder Streitigkeiten glättend, die sich aber bei stärkerer Präsenz seines Präsidenten womöglich gar nicht erst aufgeschaukelt hätten." (Sven Hanuschek: Geschichte des bundesdeutschen PEN-Zenturms von 1951 bis 1990, S. 249)

Für Kesten leitete sich die Existenzberechtigung des Clubs aus dessen politischem Einsatz für verfolgte Autoren ab. Für ihn war der P.E.N. nicht nur ein Forum der Begegnung, sondern auch eine Einrichtung, mit deren Hilfe man dem Protest gegen öffentliches Unrecht Gewicht verleihen konnte. rn"Die Geschichte der Literatur ist zum großen Teil der Kampf gegen jede Form von Unterdrückung und Tyrannei, der Kampf um die Wahrheit. Die vier Grundsäulen der sogenannten schönen Literatur sind Phantasie und Form, das heißt Instinkt und Verstand, und Freiheit und Wahrheit."(Hermann Kesten: Filialen des Parnaß, S. 201)

Im Kampf um die Wahrheit scheute Kesten keine Auseinandersetzung. Immer wieder prangerte er scharf die Rehabilitierung von Autoren mit NS-Vergangenheit an wie Gottfried Benn, Hans Carossa oder Heimito von Doderer. Immer wieder erinnerte er an die Exilautoren und deren Leistungen für die Literatur.

Kestens leidenschaftliches Engagement wirkt weiter: 1985, zum 85. Geburtstag seines Ehrenpräsidenten, stiftet das deutsche P.E.N.-Zentrum eine Hermann-Kesten-Medaille für besondere Verdienste um verfolgte Autoren.rnrn