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Hermann Kesten :Stationen
Rom > Ort > Eros
Rom 1953-1977

Sinnlichkeit und Verführung

Warum zieht es ihn bei seiner Rückkehr nach Europa ausgerechnet nach Rom? In das Deutschland Adenauers will er nicht und auch seine Frau Toni möchte lieber in Italiens Hauptstadt leben.
Ab und zu lebt das Paar für ein paar Monate in New York, im Hotel oder besucht seine Schwester Gina. Auch die 1949 erworbene amerikanische Staatsbürgerschaft muss er pflegen.

Sinnlichkeit - davon ist viel die Rede bei dem Wahl-Römer Kesten. Er beschreibt ausführlich, was er sieht, riecht, schmeckt. In Dichter im Café findet sich ein eigenes Rom-Kapitel, in dem er nachweist, dass es deutsche Literaten und Künstler seit jeher nach Rom zog.

In Kestens frühen Texten über Rom finden sich auch alle Klischees, die sich Deutsche seit den 50er Jahren über die Italiener erzählen: neben der Sinnlichkeit die Herzlichkeit der Menschen, die Putzsucht der Römer und Römerinnen, der Hang zum Anarchismus im Kleinen und sogar die Institution der Mama, die als Herrin im Haus herrscht. Im Vorwort zu dem Bildband Menschen in Rom, hat er seine Beobachtungen festgehalten. Kesten schwärmt für die Römerinnen und schreibt:"Schon die alten Römerinnen waren echte Römerinnen, so mütterlich und wollüstig, Vestalinnen und Göttinnen, Mamas mit lasziven Seelen in tugendreichen Körpern voll wollüstiger Kurven, Meisterinnen darin, mit ein wenig Duft und Farbe, mit einer Blume und dem leichtesten Gewand, mit eleganten Sandalen oder Schuhen und einer phantasievollen Frisur, mit ein wenig Braun und Rot, von der Sonne oder Schminke, die verführerischsten Wesen aus sich selber zu machen [...](Nico Jesse: Menschen in Rom, S. 5)

Die Geliebte
Mimi Innamorati
Als ich in ihre Stube kam, sah sie mich nicht.
Als ich ihren Namen nannte, hörte sie mich nicht.
Ich bin es, sagte ich, und glaubte es selber nicht.
So kommt ein Toter zu Lebenden, und sie kennen ihn nicht.
Das Ende der Liebe löscht die Gesichter aus.
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In Rom wird der korrekte Kesten auch in eine leidenschaftliche Affäre mit "Mimi Innamorati" (Deckname) verwickelt.
Der Freund und Romancier Gustav Regler, ebenfalls Liebhaber der verheirateten Mimi, attackiert den Buhlen Kesten voller Eifersucht in seinem historischen Roman Aretino.
Kesten beschreibt das Liebesdurcheinander 1955 in seinem Roman Ein Sohn des Glücks.